Soziale Arbeit.

Fachwissen. Erfahrungswissen. Interviews. Diskurse.

Sie müssen professionell sein!?

Professionell sein als Sozialarbeiter:in? Was bedeutet das? Bedeutet das nicht auch Authentizität? Werte zu wahren wie das Sicherheitsbedürfnis der Kient:innen schützen oder aufbauen? Manchmal aus der Reihe tanzen, nicht der Norm entsprechen um Menschlichkeit und Nahbarkeit zu wahren, um eine Beziehung aufzubauen oder zu aktivieren, die einen Riss bekommen hat wegen dieser Normeinhaltungsdingsda? Wer sagt, was richtig und was falsch ist? Wer bestimmt das? Was hilft hat Recht! Das ist das Wesentliche! Und manchmal bedeutet das alternative Wege zu gehen, einfach nur Mensch zu sein und nicht der Norm zu entsprechen. Wer sagt, was richtig und falsch ist? Na der Mensch, dem geholfen werden soll. Kann man jemandem Hilfe aufbürden? Kann man jemanden ins Messer laufen lassen? Sicher nicht. Aber manchmal muss etwas gesagt werden. Ob das gut oder schlecht ist, zeigt sich erst im Nachhinein. Manchmal war es richtig und manchmal falsch. Aber in jedem Fall sind wir alle um eines reicher: Erfahrung. 
 
Jennifer 17.02.2025 
 
 


Buber und das "Ich" und "Du"


 
(08.11.2023, Jennifer Unger) 
 
Leider habe ich die Notizen zu diesem phantastischen Buch von Buber nicht mehr. Den Titel müsste ich auch nochmal raussuchen. Aber den setze ich auf jeden Fall in die Literaturliste. Dies ist kein wissenschaftlicher Artikel, da er ohne Zitate ist. Ich versuche trotzdem mein Wissen zusammenzufassen und niederzuschreiben. Aber in die Literaturliste schreibe ich alle Bücher, bei denen ich noch weiss, dass diese diesen Artikel hier beeinflusst haben. 
 
Ohne das „Gemeinsame“ kann kein „Ich“ sich entwickeln, so Buber. Das „Ich“ braucht das „Du“, genauso wie das „Du“ das „Ich“ braucht, ist es nicht so? Das eine ohne das andere würde vielleicht garnicht existieren oder sich zumindest nicht spühren, sehen oder erfahren. 
 
Die Adressat:in kann sich in dem Gemeinsamen, in dem Profi als „Du“ als „Ich“ erfahren und somit beeinflusst die Professionelle sehr stark die Entwicklung unserer Nutzer:innen. Sie, die Professionelle ist Projektionsfläche für die Adressat:in und umgekehrt. Aber die Professionelle bringt ihre eigene Geschichte auch mit rein, das kommt soziologisch betrachtet auch als Input in die Arbeitsbeziehung zwischen Helfender und Hilfeempfänger:in. Das hat Einfluss auf das Output, dass heisst es beeinflusst stark, wie sich die Nutzer:in entwickelt und in welche Richung, zum „Günstigen“ oder zum „Ungünstigen“. Hier stellt sich die Frage nach den Normen. Was auch nochmal ein sehr interessantes Thema ist. Auch die Professionelle entwickelt sich durch jede Begleitung ihrer Nutzer:in. Gemeinsam erschaffen Sie durch neue Erfahrungen ein neues „Du“ und „Ich“ auf jeder der zwei Seiten. Auf der Seite der Adressat:in und auf der Seite der Fachkraft. Durch die Arbeitsbeziehung verändert sich die Adressat:in und die Fachkraft ebenso, wenn vielleicht auch nicht merklich, aber schon und manches mal ist es deutlich zu sehen. 
Ich schreibe hier aus der Perspektive beider Seiten. Ich selbst war schon Klient:in in der Sozialen Arbeit und im Gesundheitssektor vor allem im psychiatrischen Sektor. Aber ich habe auch schon als Helfende gearbeitet, als angehende Sozialarbeiterin, aber auch als EX-IN-Genesungsbegleiterin im Gesundheitswesen (Peer-to-Peer-Arbeit), im klinischen, wie auch im ambulanten Bereich. 
Kommunikation passiert immer, bewusst oder nebenher. Sie formt alles. Das „Du“ das „ich“, das „Gemeinsame“, das „wir“. Darum ist Reflexion so wichtig! Wenn das Herz nicht dabei ist, wenn wir nicht „ja“ zu unserer Nutzer:in sagen, dann ist es schwer Ziele zu erreichen oder etwas großes oder wichtiges zu erreichen. Leider ist meine Beobachtung, dass auch, wenn das Herz der Helfer:in nicht bei der Hilfeempfänger:in ist, bleibt die Arbeitsbeziehung bestehen, oft aus strukturellen Gründen – ich habe viele Psychiatrieerfahrene aber auch Professionelle im psychiatrischen und sozialpsychiatrischen Bereich im Freundes- und Bekanntenkreis. Diese Beobachtung kommt leider sehr oft vor. Sicher haben nicht alle immer ständig die gleichen Gedanken über ihre Klient:in. Aber, ob das Herz dabei ist, ist etwas, was beide Parteien spüren und dies entspringt meiner Meinung nach nicht der Haltung, sondern es ist vorhanden oder nicht, es besteht eine Resonanz zwischen beiden, eine Sympathie. Sicher kann dieser Zustand sich auch verändern, also plötzlich hat man den anderen ins Herz geschlossen oder plötzlich platzierst du dein Gegenüber wieder außerhalb deines Herzens und schliesst dein Herz ab, vielleicht aufgrund eines Triggers. Dies kann auf beiden Seiten passieren. Wir sind alle nur Menschen. Das ist ein sehr fragiles Thema, ein sehr wichtiges. Und aber auch schwer zu greifen. Mir geht es darum die Perspektiven anzuschauen. Auch die Metaperspektive über den beiden Parteien schwebend sozusagen. 


 
Literaturverzeichnis 
 
Buber, M. (2009): Das dialogische Prinzip. 11. Aufl. Gütersloh. Gütersloher Verl.-Haus. 
 
F., J. , Hartkemeyer, M. (2005): Die Kunst des Dialogs – Kreative Kommunikation entdecken: Erfahrungen, Anregungen, Übungen. Stuttgart. Klett-Cotta.  


 


Was ist Empowerment?

Fachwissen. Erfahrungswissen. Interviews.

Also, es war so…. 

 
(Bonn, 29.06.2023)

immer, wenn meine Gedanken zu schnell wurden und meine Worte ebenso, war es wohl Zeit um in die Klinik zu gehen um schlimmeres zu vermeiden. Doch was war denn schlimm? War es nicht normal? Und von der Moral her schlecht? Eine schlechte Gewohnheit, die aufbrach? Oder vielleicht nur eine Reaktion auf eine Situation, die auf das eigene so sensitive und sensible Selbst stieß und dieses ins Wanken kam? 

So ungefähr ließen sich die Zustände damals beschreiben, welche als Manie bezeichnet werden und wurden. Von Fachleuten wird leider immer noch behauptet und fleissig publiziert, dass so eine Manie urplötzlich vom Himmel fällt völlig ohne äußeren Anlass, da es ja eine endogene, d.h. von innen kommende, biochemische Ungleichgewichtsgeschichte im Gehirn ist… wie überholt das ist, wissen Gott sei Dank viele, nur leider die wenigstens Fachleute aus der Praxis vor allem nicht, so zumindest meine Erfahrung aus meinem Um- und Wirkkreis. Ich bin in der „Psychiatrieszene“ in Bonn und NRW, d.h. Profis und Institutionen und Selbsthilfe und Interessenvertretungsleute relativ gut vernetzt. Ich habe mittlerweile meinen Schreibstil etwas geändert. Ich hoffe man kann trotzdem gut folgen. Ich halte mich auch nicht immer so an einen gängigen Schreibstil, wie vielleicht du schon bemerkt hast lieber Leser. Auch das Schreiben darf sich entwickeln und verändern finde ich. 

Also, wenn die Gedanken dann zu schnell wurden etc. habe ich mich dann oft einweisen lassen aus Angst nach der nächsten „Manie“ käme die nächste schlimme Depression, die bei mir zumeist 3 – 6 Monate dauerte, oft. Die Manie ähnlich lange. Zwischen Depression und nächster Manie lagen dann zumeist ca. 3-6 Monate, ein wohl „normaler Zustand“. Ich lable hier ganz bewusst, d.h. ich benutze diagnostische Fachbegriffe, also Diagnosen, da man mich dann besser versteht, zumindest diejenigen, denen diese Begriffe bekannt sind. 

 

Heute und schon seit Jahren, über 15 Jahren, habe ich mich dann nicht mehr einweisen lassen und habe meine „Verrücktheiten“ bzw. „Andersartigkeit“ so gut es ging gelebt und in mein Leben integriert bis ich dann ca. 2018 feststellte durch Begegnungen in meinem Leben, Erfahrungen, die ich persönlich machte und Input aus Büchern und Onlinequellen, dass diese „Andersartigkeiten“ einfach „Fähigkeiten“ sind, die jedoch zum Fluch werden können, aber aus denen auch ein Segen werden kann. Hierzu findet ihr Material hier auf diesem Blog und in meinen Kanälen auf Insta, TikTok und Youtube. 

 

Viel Spass beim stöbern! 

Eure Jennifer 

Ich habe mal wieder keine Lust zu schlafen...


(23.06.2023)
Ich habe mal wieder keine Lust zu schlafen…ist das wieder manisch? Oder womöglich eine Anbahnung einer Psychose? Dann wäre ich in den letzten Jahren immer wieder manisch gewesen sein und hätte schon echt viele Psychosen bekommen haben… Was heisst überhaupt Psychose oder Manie oder „psychisch krank“? Ist das überhaupt krank? Wenn derjenige leidet, ja, dann würde ich dem zustimmen. Wenn sein enges Umfeld leidet, naja, das ist etwas anderes und noch mal speziell, aber kein Grund einen Menschen in die Psychiatrie zu stecken, nur damit die Familie Ruhe hat. Es ist nicht der Mensch, der die psychiatrische Diagnose hat, das Problem und die Familie macht alles richtig. Zu einem Konflikt gehören immer mindestens zwei oder eben mehr. Jemanden zu verletzen und dann zu sagen, er dürfe sich doch nicht aufregen, das würde ja zeigen, dass er bzw. sie krank ist… so und so ähnlich kenne ich es von mir und anderen, die das Pech hatten mal eine psychiatrische Diagnose bekommen zu haben und dann immer wieder darauf, wie z.B. hier, reduziert wurden und werden. Es ist tieftraurig und macht mich nicht nur wütend sondern ich fange auch manchmal an Menschen zu hassen, die die Menschen mit den Diagnosen als Fehler im System bezeichnen. Das System ist einfach fehlerhaft, und wir zeigen die Fehler nur auf und machen sie sichtbar. Ich rede hier so extrem, weil die Gesellschaft auch schon extrem über die „psychisch Kranken“ berichtet und sie so sieht, ein Bild, das sehr verzerrt ist und eine Gefahr für Menschen darstellt, sich Hilfe zu holen z.B. und manche Menschen den Arbeitsplatz verlieren lässt. Das mit dem Arbeitsplatz habe ich am eigenen Leibe erfahren. Im Bewerbungsgespräch sagte ich noch, dass ich bipolar sei. Aber bipolar, davon habe man gehört, das ginge ja. Als dann aber nach meinem damaligen Arztwechsel auch, wie so oft bei Arztwechsel bei vielen -das hörte ich damals oft in der Selbsthilfeszene- die Diagnose wechselt, so war es bei mir, dass ich die Diagnose „schizzoaffektive Psychose“ bekam, obwohl sich nicht wirklich etwas verändert hatte. Der Arzt kannte mich auch schon Jahre. Er war der Vertretungsarzt von meinem ehemaligen Psychiater. Jedenfalls kam bei mir bei einem Vorgesetztengespräch das Thema auf und sie fragten mich nach meiner neuen Diagnose. Damals war ich noch unerfahren und nicht selbstsicher genug um mich abzugrenzen und zu sagen, dass ich das nicht vertiefen will oder, dass mir das zu privat ist. Also nannte ich meine neue Diagnose. Da sagte die Chefin nur „Ah, eine Freundin hat das. Sie ist jetzt Rentnerin, da kann man nicht mehr arbeiten irgendwann… Nach dem 2-Jahresvertrag war es dann zu Ende. Aber ich hatte mich schon um eine weitere Stelle gekümmert und dann war es die richtige Veränderung damals. 

 

Heute, obwohl ich hier dies alles mache, halte ich es immer so, dass ich bei der Stellensuche, erstmal nichts sage, von meiner Diagnose. Denn man wird direkt in eine Schublade gesteckt, von jedem, das ist menschlich, auch von denen, die sagen und meinen, sie tun es nicht, aber man kategorisiert jeden ein. Es ist dann nicht die gleiche Schublade wie bei denen, die sagen „Achja „psychisch krank“, dann vielleicht „ok, mein Bruder hat das, da habe ich jetzt Verständnis und unterstützte sie/ihn.“ Auch das, diese Einstellung der*demjenigen gegenüber presst die*den Betroffene*n in eine „kranke Rolle“. Das ist systemtheoretisch nachweisbar. Dieser Umstand ist in vielen verschiedenen Kontexten eine sehr schwierige Herausforderung, vor allem für die*den Betroffene*n. Aber auch für Angehörige ist es schwer. Diese wünschen sich zumeist, dass der „kranke Angehörige“ gesund wird, aber der*dem Betroffene*n wird dann vieles abgenommen oder er oder sie wird geschohnt oder, oder und schwubbs ist oder bleibt er wieder in dieser Rolle. Ähnlich und katastrophal verläuft es oft in Wohneinrichtungen oder auch in der ambulanten Assistenz, was man vor ein paar Jahren noch „ambulant betreutes Wohnen“ nannte. Hierzu könnte ich etliche wahre Beispiele nennen. Für diesen Artikel reicht es erstmal. Du merkst bestimmt meine Wut in diesen Zeilen. Diese Wut gibt mir die Energie und Kraft diese Arbeit hier zu machen. Zusammen in einer Gruppe kämpfen wir für die Interessen von Psychiatrieerfahrenen und Betroffenen. Wer sich auch gerne in so einer Arbeitsgruppe engagieren will, kann sich gerne folgende Links anschauen. Wir sind SeLe in Bonn: 

 

https://sele-bonn-rhein-sieg.de/index.php/de/ 

  

 

Hier die Interessenvertretung von NRW: 

 

https://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/ 

 

(hier bei denen von NRW findet ihr auch gute Selbsthilfetipps, ausserdem haben sie in Köln ein Krisenzimmer, was jeder nutzen kann als Alternative zur Psychiatrie.) 

 

Und hier vom Bund, also Deutschland: 

 

https://bpe-online.de/ 

 

 

Viel Freude beim stöbern! 

 

Eure Jennifer  

In die Stärke kommen trotz Stigma

 

Liebe Leser:innen, 

 

heute komme ich endlich nach so lange Zeit zum schreiben für meinen so geliebten Blog. Bisher habe ich fleißig Videos gedreht für YouTube, TikTok und Insta, welche das Pendant zu diesem Blog bilden. Und ich bin meinem Studium der sozialen Arbeit nachgegangen und habe gearbeitet im Sozialen Bereich im Arbeitsfeld „Gesundheit und Krankheit“.  

 

So, nun überlege ich zu welchem Thema, ich denn heute schreibe. Ich lege einfach mal intuitiv los. Danach werde ich dies einer Rubrik zuordnen. 

 

Manchmal frage ich mich, ob es so ist, wie ich denke, nämlich folgendermaßen. Menschen, die niemals in einer Psychiatrie oder o.ä. waren und niemals eine Diagnose bekommen haben, haben nicht direkt das vermeintliche erfühlte Wissen, dass Sie falsch sind, nicht in Ordnung, weil Sie die „Kranken“ sind mit denen etwas „nicht stimmt“, Sie der Grund sind, dass man sich mit Ihnen streitet, weil „sie ja krank sind und eine Diagnose haben“…. und so weiter. Personen, die schon mal in der Psychiatrie waren o.ä. oder schon einmal eine Diagnose bekommen haben, denken und fühlen oft so, dass weiss ich aus eigener Erfahrung aber auch von vielen anderen Betroffenen. Nicht Betroffene fühlen sich auch oft wie ein Alien oder denken, etwas stimmt mit Ihnen nicht, aber sie haben nicht von einem Arzt einen Stempel offiziell bekommen. Diese zweite Krankheit, nämlich die Stigmatisierung durch die Diagnose ist noch fast schlimmer als das Leiden selber und der Grund, warum sich leider viele keine Hilfe und, oder Unterstützung holen und dies rechtzeitig, wenn das Leiden noch gut abgemildert werden kann. Sicher kann frau und man auch bei schwerem Leiden auch wieder sich erholen, was ja auch „Recovery“ besagt. Aber warum warten bis es ganz schlimm wird. Hilfe und Unterstützung sich zu holen verhindert schlimmeres. 

Hinzu kommt ein weiteres Phänomen und Problem. Die Hilfesuchende erfährt in der Rolle der Hilfebekommende ein Gefühl von „mir wird geholfen und ich kann nicht allein“. Dies kann verstärkt werden durch die Helfenden und dies kann in eine Sackgasse führen, wenn sich nicht Helfende und Hilfebekommende bewusst sind über ihre Rollenverhältnisse und sie beide sich immer vor Augen führen, dass die Hilfesuchende nur Hilfe zur Selbsthilfe bekommt und nicht das Gefühl bekommt, „ich kann ja nicht, weil ich bin ja krank“ sondern, dass die Hilfesuchende lernt und weiss „ich kann alles in meiner Kraft und in meinem Möglichkeitsrahmen tun um wieder ganz stark und fit zu werden“. Es ist so wichtig, dass jeder der Betroffenen immer vermittelt „du kannst ganz gesund werden, egal wie schlimm es um dich steht“ und „du kannst es beeinflussen“ und „je mehr du agierst, desto besser wird es dir gehen“. Das heisst nicht, dass diejenige die Ruhephasen weglässt. Aktivität und Ruhe braucht der Mensch beides. Also nicht aufgeben, es geht immer weiter und irgendwann wird es auch wieder gut. 

Ich hoffe, dass der Artikel ein bisschen zum nachdenken anregen konnte oder vielleicht jemandem auch Mut und Hoffnung machen kann. 

Alles liebe Eure Jennifer